• Wohnen & Pflege

Ein Leben im Miteinander

18. Dezember 2025

Als Teil der 68er­Generation wollten Brigitta und Anton Wimmer beruflich und privat neue Wege gehen. Wie ihnen das gelang, erzählen sie zwischen Ernst und viel Humor.

Von einem kleinen Bauernhof bei Landshut und einer Lochmetallfabrik im Münchner Westend kommen Anton und Brigitta Wimmer. Für Anton gab es das Studienseminar in Landshut/Freising und danach das Priesterseminar: Nach einem Jahr stieg er aus, zog 1971 in eine Wohngemeinschaft in Schwabing und studierte Theologie. Brigitta ging schon in der Schulzeit eigene Wege. Sie zog aus, finanzierte sich ein Zimmer als Lkw­-Fahrerin, Bürohilfe, Nachhilfelehrerin, studentische Hilfskraft.

Zusammenfinden

Die beiden begegneten sich im Studium – mit dem Berufsziel Pastoralassistenten. Den Beruf hatte die katholische Kirche 1971 geschaffen, ab 1976 auch für Frauen. Bei einem gemeinsamen Sozialpraktikum mit schwierigen Kindern vier Wochen in den Bergen lernten sie sich besser kennen – und schätzen. Ein Jahr später verlobten sie sich, 1976 heirateten sie. Ab 1978 wurden ihre vier Kinder geboren.

Leben und Arbeit verzahnt

Als fertige Pastoralassistent:innen teilten sie sich Familien­ und Berufsarbeit – für die damalige Zeit ungewöhnlich. Sie waren in einer Reihe von Gemeinden tätig, Anton Wimmer u. a. sieben Jahre als Seelsorger im MÜNCHENSTIFT-­Haus St. Josef. Ein Höhepunkt ihrer Arbeit war ein Pilotprojekt im Münchner Westend: der Aufbau eines Pfarrverbands – bisher Aufgabe eines Pfarrers. Beide engagierten sich in der Jugendarbeit, in der Seelsorge stand die Beziehungsarbeit im Zentrum. Den Ausgleich fanden sie im Alltag mit ihren vier Kindern – „ein Freizeitvergnügen“, so Anton Wimmer lachend. Inzwischen sind sie Großeltern von sieben Enkelkindern.

Bei der MÜNCHENSTIFT

Seit 2023 lebt Anton Wimmer im offenen gerontopsychiatrischen Bereich des Alfons-­Hoffmann­-Hauses. Mehrere Erkrankungen hatten zu einer Kurzzeitpflege geführt. Als das Memory­-Zentrum eine Demenz feststellte, konnte er im selben Zimmer bleiben. Vier Krankenhausaufenthalte folgten – an diese Zeit erinnert er sich nicht, konnte weder sprechen noch schreiben und kaum gehen. Heute, mit 75, hat er sich gut erholt. Die Tage haben Struktur und einen angenehmen Rhythmus. Im Haus nutzt er viele Angebote: „Singen gefällt mir besonders.“ Auch Rätsel, Bingo, Quizrunden und Sprachspiele bereiten ihm Freude. Täglich geht er längere Strecken – gemeinsam mit seiner Frau, die in der Nähe wohnt und ihn jeden Tag besucht.

Ein neues Miteinander

Brigitta Wimmer hatte zuerst überlegt, Lesepatin zu werden oder mit Kindern zu arbeiten. Hier bei der MÜNCHENSTIFT begleitet sie nun z. B. Bewohner:innen zum Tierpark oder zum Singen ins Kulturzentrum. Im Sommer nahmen Anton und Brigitta an der Modenschau des Hauses teil – zum Lied Felicità. „Das erinnert uns an früher, als es fast überall lief“, erzählt Brigitta lachend. „Ein Hauch Romantik und Ausgehen.“ Anton ergänzt: „Mit dem Lied konnte ich meine Freude darüber zeigen, wie gut es mir geht und wie schön das Leben ist.“