• Wohnen & Pflege

Mit Betreuung ein Zuhause schaffen

11. Dezember 2025

Gedächtnistraining, Malen mit anschließender Werksausstellung oder interkulturelle Konzerte – das Angebot an Beschäftigung und Betreuung in den Häusern der MÜNCHENSTIFT war schon immer vielfältig. Jetzt bringen neue Betreuungsformate noch mehr Leben und Abwechslung ins Haus. Die Betreuung und Beschäftigung wird zudem individueller auf die Bedürfnisse der Bewohner:innen abgestimmt und intensiviert. Das kommt allen zugute: den Bewohner:innen genauso wie den Menschen, die sie betreuen.

Dämmerschoppen für pflegebedürftige Senior:innen? Ja, so etwas gibt es wirklich. Im Haus Heilig Geist der MÜNCHENSTIFT treffen sich neuerdings Bewohner:innen am Abend zu einem Glas Wein – oder auch Tee, wer möchte. Dabei wird nicht nur geklönt, sondern auch gesungen und gerätselt. „Mir ist wichtig, dass für jeden und jede etwas dabei ist“, erklärt Maria Berninger, Leitung Soziale Betreuung und Beschäftigung im Haus Heilig Geist, das liebevoll zusammengestellte Abendprogramm. „Das Singen schenkt Glücksmomente, das Rätseln ist gut fürs Gedächtnis“, sagt sie.

Das Besondere an den neuen Abendveranstaltungen: Sie haben einen Ablauf, werden moderiert. „Dabei kommt es darauf an, alle Bewohner:innen mitzunehmen, sie unterschiedlich emotional und kognitiv anzusprechen“, erklärt Maria Berninger (stehend), neue Leitung Soziale Betreuung und Beschäftigung im Haus Heilig Geist.

An diesem Dienstagabend haben sich 22 Bewohner:innen um die herbstlich geschmückten Tische mit Kerzen und Keksen versammelt. Nach Wunsch wird Rot­ oder Weißwein, Wasser oder Tee von den drei Betreuungsassistent:innen serviert. Auch sie haben sich in Schale geworfen. „Ich habe mir spontan eine Krawatte umgebunden und ein Sakko angezogen“, sagt Alexander Schmölder, der an diesem Abend mit einem Herbstgedicht von Rainer Maria Rilke einen der Programmhöhepunkte gestaltet.

Alexander Schmölder im Gespräch

Ein moderner Abend

„Am besten gefällt mir das Singen“, freut sich Bewohnerin Ursula Hayduk. Zwischen den Wortbeiträgen stimmt Maria Berninger immer wieder ein Lied an: „Der Herbst ist da…“ tönt es sonor durch den Raum. Notenblätter mit Liedtext helfen beim Mitsingen, wer mag und kann, stimmt ein. „Es ist toll, dass es solche Veranstaltungen gibt“, sagt Eva Beisler, die ihre Mutter an diesem Abend begleitet. „Meine Mutter ist seit sechs Wochen hier. Und ich habe das Gefühl, sie ist angekommen“, erzählt sie, spürbar erleichtert.

Seit April dieses Jahres leitet Maria Berninger die Soziale Betreuung und Beschäftigung im Haus. Als Pilothaus der MÜNCHENSTIFT geht Heilig Geist voran, die Qualität der Betreuung gleichrangig mit der Pflege zu entwickeln. „Ob in der Pflege oder in der Betreuung, alle Fürsorge und Aktivierung richtet sich nach den individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten der Bewohner:innen aus“, erklärt Karin Bernecker, Leiterin des Pilotprojekts und der Abteilung Qualität bei der MÜNCHENSTIFT, den Leitgedanken. Die Betreuung soll intensiviert, die Pflege entlastet werden.

Abendveranstaltung im Haus Heilig Geist

Wünsche erfüllen

Insgesamt 16 Betreuungsassistent:innen auf fünf Wohnbereichen und drei Mitarbeitende der Hausinternen Tagesbetreuung sorgen im Haus Heilig Geist dafür, dass dies gelingen kann. Wurde die Betreuung bislang in den einzelnen Wohnbereichen organisiert, laufen die Fäden nun bei Maria Berninger zusammen. Die zentral koordinierte Betreuung hat viele positive Effekte. „Jetzt kommen deutlich mehr Bewohner:innen in den Genuss der Veranstaltungen“, berichtet Hausleiterin Ana Thudt. „Und wir können nun Abendveranstaltungen anbieten – sehr zur Freude unserer Bewohner:innen“, berichtet sie. Dabei spielt Musik eine besonders große Rolle. „Das hatten die Bewohner:innen als Wunsch in der letzten Bewohnerbefragung formuliert – und wir erfüllen ihn gerne“, so Ana Thudt.

Für das Betreuungsangebot werden die Talente der Mitarbeitenden gezielt genutzt. Eine Mitarbeiterin beispielsweise betet den Rosenkranz. „Das ist etwas Besonderes“, sagt Maria Berninger, „dieses Angebot möchten wir möglichst vielen Bewohner:innen machen.“ Ein anderer Kollege ist als Sitztanzleiter qualifiziert und bietet eine Gruppe an. Der Einsatz von persönlichen Talenten stärkt die Mitarbeitenden und das gesamte Team. Am Ende kommen sie bei den Bewohner:innen an: als Möglichkeit, mit sich und den eigenen Bedürfnissen im Kontakt zu sein – und mit den anderen.

Maria Berninger, neue Leitung Soziale Betreuung und Beschäftigung in Heilig Geist, hat bereits in einer anderen Einrichtung die Soziale Betreuung aufgebaut und 14 Jahre lang geleitet. Worauf kommt es an?

„Es muss ein Netz an Betreuung aufgebaut werden, sodass die Bewohner:innen auch wirklich individuell betreut werden können. Das geht Schritt für Schritt und ist ein Prozess. Ziel ist es, den Bewohner:innen ein Zuhause zu geben. Das gelingt nur, wenn Pflege und Betreuung Hand in Hand laufen.“

Lucija Kasumovic, Betreuungsassistentin im Gerontobereich und in der Pflegeoase

„Wir erleben, dass die Bewohner:innen mit der intensiven Betreuung körperlich und kognitiv viel fitter sind – und viel ruhiger. Wir bieten jetzt jeden Tag Beschäftigung an und wählen das aus, was für die jeweiligen Bewohner:innen passt.“

Text: MÜNCHENSTIFT Magazin, Heft Nr. 114 – Dezember  2025
Fotos: Manuela Stache