

- Menschen
TATENDRANG als Motor
Die erste und älteste Freiwilligenagentur Deutschlands feierte 2025 ihr 45-jähriges Bestehen. Die Leiterinnen Ute Bujara und Renate Volk (li.) erzählen über ihre Arbeit und wie sie das Ehrenamt mit neuen Formaten an veränderte Bedürfnisse anpassen. Auch die MÜNCHENSTIFT profitiert davon.
Was ist das Besondere?
Wir schlagen Brücken zwischen engagierten Bürger:innen, gemeinnützigen Organisationen und Unternehmen. Dabei greifen wir aktuelle gesellschaftliche Themen auf und entwickeln – oft gemeinsam mit Partnern – neue Konzepte und Lösungen, unterstützt vom Sozialreferat der Stadt München. Uns geht es darum, Trends zu erkennen, bürgerschaftliches Engagement weiterzudenken und Menschen für ehrenamtliche Aufgaben zu qualifizieren.
Wie kamen Sie zu TATENDRANG? Hatten Sie einen Bezug zum Ehrenamt?
Bujara: Ich war ursprünglich in einem anderen Beruf tätig. Im Rahmen eines Wiedereinsteigerinnen-Kurses unseres Trägervereins Verein für Fraueninteressen e. V. erfuhr ich 2005, dass TATENDRANG eine Beraterin suchte. Ich kannte beide Seiten des Ehrenamts – als Elternbeirätin in der Schule meines Sohnes und als Mutter eines behinderten Kindes, das ehrenamtlich begleitet wurde.
Volk: Mit sechzehn begann ich mich politisch bei Amnesty International zu engagieren. Später, nach einer Coachingausbildung und während meiner Arbeit in einer PR-Agentur, wollte ich die Seiten wechseln und etwas Sinnvolles für Menschen tun. Ich besuchte TATENDRANG auf der FreiwilligenMesse und als 2008 eine Stelle frei wurde, bewarb ich mich.
Wie ging es weiter?
2008 übernahmen wir beide gemeinsam den Aufbau des Bereichs Unternehmensengagement. Seit 2011 leiten wir TATENDRANG im Tandem. Unser Team besteht aus zwölf angestellten Teilzeitkräften. Wir betreuen sechs eigene Projekte und zahlreiche Schnittstellen: rund 750 Bürger:innen pro Jahr, die wir beraten, begleiten und schulen, rund 360 gemeinnützige Organisationen sowie Projekte, Initiativen und Netzwerkpartner, mit denen wir Veranstaltungen organisieren. Renate Volk verantwortet u. a. die Öffentlichkeitsarbeit und die Entwicklung neuer Projektideen. Ute Bujara kümmert sich um Controlling, IT und Zertifizierungen.
Welche Entwicklungstrends beobachten Sie?
Oft heißt es: Die Welt wird schlechter, jeder denkt nur an sich. Wir erleben das Gegenteil: viele Menschen wollen sich engagieren. Die größte Gruppe stellen derzeit 30- bis 50-Jährige dar, meist berufstätig. Viele wünschen sich, dass ihnen ein Ehrenamt auch persönlich etwas gibt. Der Trend geht zu mehr Flexibilität: viele – auch Ältere – möchten sich nicht fest binden. Dafür entwickeln wir passende Formate. Wir greifen neue Themen auf und schließen Lücken – etwa beim Thema Einsamkeit, das auch Ehrenamtliche betrifft. Im Bildungsbereich besteht großer Bedarf: Viele wollen helfen, fühlen sich aber unsicher. Hier setzt unsere „Lernpaten-Akademie“ an. Ein weiterer wichtiger Trend ist die kulturelle Vielfalt – mit sprachlichen Herausforderungen, aber auch viel Potenzial. Insgesamt wird freiwilliges Engagement immer individueller.
Wie greifen Sie das in Ihren Projekten auf?
Mit Projekten wie „Digital engagiert“ oder „Whats to do?“ reagieren wir z. B. auf den Wandel der Kommunikation. Bei „Whats to do?“ informiert TATENDRANG spontane Freiwillige per WhatsApp über Kurzeinsätze. Im Bildungsbereich profitieren Freiwillige von kostenlosen Weiterbildungen der „Lernpaten-Akademie“. Der „Marktplatz Gute Geschäfte“ vernetzt gemeinnützige Einrichtungen und Unternehmen im Stil eines Speed-Datings für Corporate Volunteering. Bei der „IHK-Nachtschicht“ schenken Kreative aus Kommunikation, Marketing und Werbung ihr Know-how gemeinnützigen Organisationen. 2026 richten wir den Fokus besonders auf zwei Gruppen: Babyboomer und Menschen unter zwanzig Jahren.
Welche Zusammenarbeit gibt es mit der MÜNCHENSTIFT?
Die MÜNCHENSTIFT verfügt über eine vorbildliche Ehrenamtsstruktur: eine zentrale Verantwortliche koordiniert das Engagement, in jedem Haus gibt es Ehrenamtskoordinator:innen. Wir vermitteln gerne Freiwillige an die MÜNCHENSTIFT – sie werden dort gut begleitet, und wir erhalten durchweg positive Rückmeldungen.
Text: MÜNCHENSTIFT Magazin, Heft Nr. 115 – März 2026
Foto: VIOS Medien