

- Wohnen & Pflege
Wie die Pflege daheim möglich wird
Die MÜNCHENSTIFT ermöglicht es Menschen, im Pflegefall so lange wie möglich oder sogar dauerhaft in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Astrid Imre, Einsatzleitung des ambulanten Pflegedienstes Schwabing, berichtet, wie das gelingt.
Wie unterstützen Sie Menschen, die zu Hause bleiben wollen?
Wir vereinbaren ein Erstgespräch oder einen Beratungstermin und besprechen die Situation gemeinsam mit Angehörigen, Bevollmächtigten, Betreuer:innen und behandelnden Ärzt:innen. Dabei klären wir, wie unser Pflegedienst unterstützen kann – bei Bedarf auch mit mehreren Einsätzen pro Tag. Entscheidend ist, ob die pflegebedürftige Person zwischen den Besuchen sicher allein in der Wohnung bleiben kann und ob Angehörige oder private Pflegepersonen die Versorgung in der übrigen Zeit leisten können.
Wie nehmen Sie die Angst, begleiten und zeigen Lösungen auf?
Angst lässt sich leider nicht immer vollständig nehmen. Wir versuchen jedoch, alle Aspekte transparent und verständlich zu besprechen, damit Betroffene und Angehörige die Situation gut einordnen können. Dabei schlagen wir keine unrealistischen Lösungen vor, sondern konkrete, umsetzbare Wege. Gemeinsam klären wir, was unser Pflegeteam leisten kann – und welche Unterstützung Betroffene und Angehörige psychisch, körperlich und finanziell tragen können. Wenn dafür Hilfen oder Anträge nötig sind, beraten wir, welche Stellen zuständig sind und wo sie Unterstützung bekommen.
Worauf kommt es bei der Entscheidung an?
Wichtig ist, dass den Pflegenden klar ist: Ohne ihre Unterstützung wird es in der Regel nicht funktionieren. Zudem müssen Abstriche bei einer lückenlosen Betreuung und Notfallversorgung akzeptiert werden – wir halten kein 24-Stunden-Personal vor und können bei unvorhersehbaren Ereignissen wie Stürzen nicht jederzeit sofort vor Ort sein. In solchen Fällen braucht es den Hausnotruf oder den Rettungsdienst. Weitere zentrale Punkte sind der Pflegegrad und die Kosten: Was kann selbst zugezahlt werden und welche finanziellen Hilfen – etwa über den Bezirk – kommen infrage. Am Ende steht immer die entscheidende Frage, ob die pflegebedürftige Person zu Hause sicher leben kann, ohne sich selbst oder andere zu gefährden.
Wie unterstützt der Pflegedienst konkret vor Ort? Wie kann das Hilfssystem aussehen?
Das gelingt durch ein Zusammenspiel aus Unterstützung durch Angehörige bzw. private Pflegepersonen und dem Pflegedienst. Über die Kombinationsleistung kann der Pflegedienst Pflegeleistungen als Sachleistung mit der Pflegekasse abrechnen. Wird der Betrag nicht vollständig ausgeschöpft, erhält die pflegebedürftige Person zusätzlich anteilig Pflegegeld – das kann genutzt werden, um eine private Pflegeperson zu bezahlen. Weitere Bausteine sind Betreuungs- und Entlastungsbetrag für Haushaltshilfen oder Betreuungsangebote, Verhinderungspflege, Zuschüsse zur Wohnraumanpassung (z. B. für Barrierefreiheit) sowie Pflegehilfsmittel auf Rezept, etwa Duschbrett oder Toilettensitzerhöhung. Auch Tagespflege kann eine wichtige Entlastung sein und dazu beitragen, länger zu Hause bleiben zu können. Der Pflegedienst unterstützt dabei konkret durch Grund- und Behandlungspflege, hauswirtschaftliche Versorgung und Betreuung, Beratung: Hilfe bei Anträgen und – wenn nötig – durch die Vermittlung an passende Anlaufstellen. Auch den Angehörigen stehen wir im Pflegealltag begleitend und beratend zur Seite.
Wie ist die Versorgung hochgradig Pflegebedürftiger auch in palliativen Situationen?
Auch bei bettlägerigen Menschen kann die pflegerische Versorgung zu Hause gelingen – mit passenden Hilfsmitteln, einer gut abgestimmten Einsatzplanung und, je nach Bedarf, in Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Palliativpflegedienst. Menschen mit Demenz können ebenfalls zu Hause versorgt werden, solange sie sich selbst oder andere nicht gefährden. Gerade hier sind Tagespflegeangebote und die Unterstützung durch Ehrenamtliche zu Hause oft eine große Entlastung.
Text: MÜNCHENSTIFT Magazin, Heft Nr. 115 – März 2026
Foto: Monica Fauss